Regenbogenpreis 2019 der LVR-Grünen für die IG Dachsbruch

Die IG Dachsbruch hat den Regenbogenpreis der Grünen im Landschaftsverband Rheinland erhalten. Vorgeschlagen hat die Kämpfer gegen den Kiesabbau im Wickrather Feld der Kamp-Lintforter Grüne Johannes Tuschen (l.), der auch Mitglied der LVR-Grünen ist. Die Laudatio hielt Johannes Bortlisz-Dickhoff (r.), Vorsitzender der LVR-Grünen. Er nannte die Pläne der Landesregierung zum Kiesabbau eine „Zumutung“.Die Dimension von 126 Fußballfeldern die im Dachsbruch zur Rede stehen, seien unvorstellbar. „Ich komme aus dem Rhein-Erft-Kreis. Ich weiß, was große Löcher sind.“ Den Preis, dotiert mit 1000 Euro, nahmen Theo Rams und Marion Kempken entgegen.

Bild von der Auszeichnung der IG Dachsbruch mit dem Regenbogenpreis 2019. Von links nach rechts: Johannes Tuschen (Fraktionsvorsitzender Grüne Kamp-Lintfort), Theo Rams und Marion Kempkes (IG Dachsbruch), Johannes Bortlisz-Dickhoff (Fraktionsvorsitzender Grüne Fraktion im Landschaftsverband Rheinland / LVR)

Rede von Johannes Bortlisz-Dickhoff, Vorsitzender der LVR-Grünen

Liebe Streiterinnen und Streiter für die Natur,

während die Römerbauten in Trier, Köln oder Xanten, in Teilen noch immer zu besichtigen sind, geht in Leverkusen die Autobahnbrücke in die Knie, werden ganze Autobahnen gesperrt, weil die Betonspuren Wellen werfen, oder werden Containment genannte Sicherungsbauten für Atomkraftwerke nach wenigen Jahren marode.

Statt sich Gedanken über die Erfordernis von Langlebigkeit zu machen – die Trierer Basilika kommt auf 1.700 Jahre – sucht unser Wirtschaftssystem des immer höher, weiter, schneller nach immer neuen Möglichkeiten der Verwirklichung, um nach wenigen Jahrzehnten festzustellen, dass Sanierungsbedarfe entstehen.

So entstehen immer neue Bedarfe unter anderem auch an Sand und Kies. Der Abbau von Bodenschätzen wird als Allgemeininteresse privilegiert, wir erleben das gerade insbesondere an der Thematik der Braunkohle.

Statt nach Möglichkeiten eines nachhaltigen Kiesabbaus zu suchen, versucht die Schwarz-Gelbe Landesregierung mit ihrem Änderungsverfahren am Landesentwicklungsplan diese Entwicklung noch zu befördern.

Die GRÜNEN teilen die Kritik, die das Aktionsbündnis Niederrheinapell 2019 an den Plänen der Landesregierung formuliert.

Ich zitiere:

„… Wir stellen fest, dass sich die privatwirtschaftlich arbeitende Kiesindustrie mit ihren Abgrabungsanträgen in der Regel über gegenläufige Interessen der Bevölkerung hinwegsetzen kann und die Interessen der Kiesindustrie an der Sicherung großflächiger Abgrabungsgebiete nunmehr mit dem neuen Änderungsverfahren am Landesentwicklungsplan noch weiter begünstigt werden sollen.

Wir fordern einen nachhaltigen Kiesabbau, sowie eine Ausweisung der Ressource Sand und Kies als nationale Rohstoffreserve. Bei Planungs- und Genehmigungsentscheidungen muss in erster Linie der Schutz der Bevölkerung, der Natur und der typischen niederrheinischen Landschaft gewährleistet werden.“

Auch die GRÜNE Landtagsfraktion schließt sich den Forderungen an. Im Antrag fordern die Grünen die Rücknahme der geplanten Verlängerung der Versorgungszeiträume und die Beibehaltung der obligatorischen Ausweisung von Abbaugebieten in Konzentrationszonen. Darüber hinaus wollen die Grünen eine ausschließlich am nordrhein-westfälischen Bedarf orientierte Abbauplanung.

Die GRÜNEN im Landschaftsverband Rheinland zeichnen heute eine der wichtigen Initiativen aus, die sich im Aktionsbündnis zusammengefunden haben.

Die Interessengemeinschaft Dachsbruch setzt sich seit den 90er Jahren für den Erhalt einer einmaligen niederrheinischen Natur- und Kulturlandschaft zwischen dem Kloster Kamp und dem Oermter Berg in Kamp-Lintfort ein. Zum wiederholten Male – aktuell im Zuge des neuen Landesentwicklungsplanes – ist ein knapp 92 ha großes Gebiet zur Auskiesung vorgesehen. 92 ha sind etwa 126 Fußballfelder groß. Das Gebiet ist bislang geprägt durch Waldabschnitte, wilde Hecken und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Damit hat das Gebiet in Kamp-Lintfort ein Alleinstellungsmerkmal. Dies schätzen Radfahrer, Reiter und Wanderer. Der Bereich ist Naherholungsgebiet für die Bürger aus Kamp-Lintfort, lssum und Rheurdt. Rad-, Reit- und Wanderwege durchziehen das Gebiet.

Ein Kiesabbau von mehr als 90 ha Umfang würde die weitgehend naturbelassene Landschaft zerschneiden und das einheitliche Landschaftsbild zerstören. Die Abgrabung sowie die damit einhergehenden Lärm- und Staubemissionen werden den Wildwechsel zwischen den Waldgebieten verhindern und den Naturhaushalt nachhaltig negativ beeinflussen.

Inmitten einer Kiesfläche finden Rehe, Fasane, Feldhasen, Rebhühner, Wachteln, Feld-Lerchen, Käutzchen, Wacholderdrosseln und Kiebitze keinen Lebensraum mehr. Darüber hinaus gefährdet der Kiesabbau weiträumig den Grundwasserhaushalt.

Dafür, dass dieser Alptraum nicht Realität wird, hat die Interessengemeinschaft Dachsbruch mehr als 12.000 Unterschriften gesammelt. Damit ist die IG Dachsbruch ein herausragendes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, dass mehr als eine Auszeichnung verdient.

Die GRÜNE Fraktion im LVR bedankt sich mit ihrem Regenpreis bei der Initiative und zeichnet sie als beispielhaft aus.

Wir wünschen Ihnen und uns, dass sie den Kampf gewinnen.

 

 

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel