Elektromobilität: Von unseren niederländischen Nachbarn lernen

Vergleicht man die Kamp-Linfort mit Venray, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern und damit vergleichbar mit Kamp-Lintfort, so sieht man beträchtliche Unterschiede in Sache Elektromobilität.

Unsere niederländischen Nachbarn haben sich deutlich früher ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt. Dies mag an den EU-Grenzwerte liegen, die auch für die Niederlande gelten, oder daran, dass sie selbst keine großen Autohersteller haben, die ihr Geld mit Diesel- und Benzinmotoren verdienen.

Wie sieht die Situation in Kamp-Lintfort aus und was zeigt der Vergleich mit einer Stadt in den Niederlanden?

Es gibt 19 Lademöglichkeiten in Venray gegenüber 3 Lademöglichkeiten in Kamp-Lintfort. Von den 3 Lademöglichkeiten steht eine am Hotel Wellings. Eine Ladesäule der RWE ist zentral bei den Stadtwerken Kamp-Lintfort gegenüber dem großen Real-Parkplatz gelegen. Die zweite Ladesäule steht weit abgelegen im Industriepark Dieprahm.

1 von 2 Ladeanschlüsse im Zentrum Kamp-Lintforts blockiert

An der einzigen zentralen, öffentlich zugänglichen Ladesäule gegenüber dem Real-Parkplatz kann jedoch meist nur 1 der 2 Ladeanschlüsse verwendet werden. Grund ist die fehlende Ausweisung als Ladeplatz für E-Autos. Es wurde somit die Lademöglichkeiten im Zentrum Kamp-Lintforts um 50% reduziert, um (1!) einzige zusätzliche Parkmöglichkeit mehr in Kamp-Lintfort zu haben.  

Auf Anfrage der Grünen wurde leider recht schnell mit folgenden Aussagen abgetan:

  1. Elektroautos hätten in der Regel den Ladeanschluss vorne und könnten daher nicht verkehrsregelkonform zur Ladesäule fahren.
  2. Es werden in Zukunft weitere Lademöglichkeiten im Bereich des Rathaus realisiert und deshalb würde der zweite Ladeanschluss nicht benötigt.

Beide Argumente sind weder korrekt noch stichhaltig.

Zu a. Elektroautos unterscheiden sich beträchtlich in der Position des Ladeanschlusses. Aber selbst für sogenannte Nasenlader ist ein Laden an dem Ladeanschluss bei den Stadtwerken möglich:

Zu b. Es ist schlicht nicht sinnvoll, 1 von 2 Ladeanschlüssen am zentralen Ladestandort Kamp-Lintforts ungenutzt zu machen, selbst wenn irgendwann weitere Ladesäulen dazu kommen. Hier wurde in der Vergangenheit Geld investiert und dies sollte so sinnvoll wie möglich ausgenutzt werden.

Die Anfrage wurde leider mit diesen, unser Meinung nach, oberflächlichen und fehlerhaften Aussagen abgelehnt.  Aber wir bleiben dann.

Wieso man mehr als 1 Ladesäule braucht

Die RWE-Ladesäulen sind 22kW Wechselstromladesäulen. Viele Plug-ins können jedoch nur mit geringerer Leistung laden. Viele reine E-Autos setzen vermehrt auf Gleichstrom und haben ebenfalls Beschränkungen beim Laden mit Wechselstrom. Laden mit Wechselstrom ist also nicht besonders schnell, aber dafür technisch leicht und kostengünstig zu realisieren.

Man braucht also mehr Ladesäulen, die aber dafür vergleichsweise günstig sind. Wenn man diese – wie aktuell in Kamp-Lintfort – nicht hat, entstehen schnell Engpässe.

Ein Beispiel:

  • An der Ladesäule gegenüber dem Real-Parkplatz lädt ein Plugin-Hybrid, z.B. der Mitsubishi Outlander PHEV, von jemandem, der meist Kurzstrecke fährt, diese aber am liebsten elektrisch. Der Fahrer nutzt den Besuch in Kamp-Linfort zum Aufladen seiner Batterie in Kombination mit einem längeren Einkauf und Arztbesuch. Der Plug-in lädt mit 3,7kW und braucht mindestens 3h, um die Batterie von 13,8 kWh wieder voll aufzuladen.
  • Der zweite Anschluss an der Ladesäule ist nicht erreichbar, weil auf dem ladeplatz ganz legal ein Verbrennerauto parkt.
  • Wenn jetzt ein einziger Tourist aus den Niederlanden mit seiner Renault Zoe nach Kamp-Lintfort reinfährt, um mit 22 kW zu laden und sich dabei die Stadt anzuschauen, dann kann er dies für mindestens 2h nicht tun. Was macht er dann wohl?

Es ist an den Zulassungszahlen von 2017,2018 und den Ankündigungen deutscher Hersteller ersichtlich, dass die Anzahl an Elektroautos in Deutschland in 2019 und 2020 massiv ansteigen wird. Aktuelle Zulassungszahlen:

Kamp-Lintfort ist hierauf nicht vorbereitet.

Was zu tun ist
  1. Der zweite Ladeanschluss an der Ladesäule bei den Stadtwerken muss wieder für Elektrofahrzeuge verfügbar sein. 24h und 7 Tage die Woche. 
  2. Es müssen mehr Ladesäulen an attraktiven Standorten geschaffen werden, sodass Einwohner, die nicht zuhause die Möglichkeit des Ladens haben, dies bequem mit Erledigungen in der Stadt kombinieren können.
  3. Es muss mit Betreibern von Supermarkten Kontakt aufgenommen werden, um im beiderseiten Interesse Möglichkeiten der Schaffung von Ladesäulen auf deren Parkplätzen zu erarbeiten.
  4. Die Hochschule Rhein-Waal ist ein Aushängeschild der Innovation für Kamp-Lintfort. Hier erwarten wir von der Landesregierung eine umfangreiche Erschließung auch mit Schnellladern. 

Anbei noch ein Hinweis auf ein Artikel „Deutschland ist Entwicklungsland – wenn es um E-Ladesäulen geht“:

https://www.chip.de/artikel/Deutschland-ist-Entwicklungsland-…wenn-es-um-E-Ladesaeulen-geht_125645818.html

 

2 Kommentare

  1. User

    Der Tourist aus den Niederlanden kann die Ladesäulen der Stadtwerke gar nicht nutzen, weil die Freigabe erst bei den Stadtwerken beantragt werden muß. Die Ladesäulen sind nur beschränkt öffentlich.

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