Elektromobilität: Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion deckt Fehler bisheriger Studien auf

Kenner der Elektromobilität haben schon in der Vergangenheit die gängigen Studien in Deutschland für ihre Fehler und Verfälschungen zu Gunsten der deutschen Automobilindustrie kritisiert.

Eine Studie der Technischen Universität Eindhoven im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hat nun die bisherigen Studien analysiert und kommt zu dem Ergebnis:

Elektroautos haben über den Lebenszyklus eine bessere CO2– Bilanz von 50 bis zu 80 Prozent im Vergleich zu ähnlichen Pkw, die in ihren Motoren Diesel oder Benzin verbrennen.

Daneben belegen Sie zahlreiche fehlerhafte Annahmen in bisherigen deutschen Studie.

Hier die Studie im Orginal als pdf

Hintergrund

Obgleich die Auswirkungen des  Klimawandels uns alle massiv betreffen werden, gibt es zu den entscheidenden technischen Stellschrauben in Deutschland keine unabhängigen Studien, um die für die Gesellschaft beste Lösung zu finden. Stattdessen werden von finanzstarken Industrien, wie in diesem Fall der Autoindustrie, Studien beauftragt, die der Marketing-Aussage wissenschaftlich Glaubwürdigkeit geben sollen.  Diese Studien erstellen dann auf Basis von bestimmten Annahmen ein wissenschaftlich fundierte Aussage. Ob die zu Grunde liegenden Annahmen wissenschaftlich richtig sind, wird  i.d.R. nicht von unabhängiger Seite geprüft.

In TV-Sendungen oder Printartikeln werden diese Studie dann zusammengefasst, vereinfacht und interpretiert. Der Konsument hat praktisch nicht die Möglichkeit, die Plausibilität der Annahmen und die Zulässigkeit der Interpretation selbst zu prüfen.

Werden über Jahre immer wieder Studien mit gleicher Aussage medial in die Öffentlichkeit gedrückt, so erzeugt man eine breite Meinung unter den Bürgern. Wie

Berühmt und Berüchtigt wurden hier u.a. die „Sinn-Studie“, „ADAC-Studien“ und Interpretation in deutschen Medien zu einer Studie aus Schweden. Selbst wenn diese nachträglich wiederlegt wurden- Der ADAC wurde hierfür sogar von dem Umweltbundesamt kritisiert – so bleibt meist die gewünschte Wirkung beim Leser.

 

Zusammenfassung

Eine Studie der Technischen Universität Eindhoven im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hat nun die bisherigen Studien analysiert und kritisiert insbesondere diese Fehlannahmen:

  • Neuere Forschungsarbeiten zeigen sehr deutlich, dass die bisher verwendeten Daten zum Energieverbrauch bei der Batterieherstellung falsch oder veraltet sind. Die bisherigen Annahmen können mehr als halbiert werden.
  • Die bisher angenommene Batterielaufzeit von 150.000 km ist deutlich unterschätzt und nicht mit Quellen und Forschung unterlegt. In der Praxis zeigen sich Laufzeiten der Batterie von über 500.000 km. In den eigenen Berechnungen hat die TU Eindhoven ein gemittelte Laufzeit von 250.000 km angenommen.
  • Die CO2-Bilanz des Strommixes in Europa und insbesondere in Deutschland wird nach dem gesetzlich fixierten Kohleausstieg deutlich besser – der „getankte“ Strom der Elektroautos wird dadurch immer CO2-ärmer. Bisherige Studien haben das nicht berücksichtigt, sondern für die nächsten 20 Jahre weiter mit dem schlechten CO2-Output des heutigen Strommixes gerechnet.
  • Die meisten Verbrenner-Pkw verbrauchen 40 Prozent mehr Sprit als von den Herstellern offiziell angeben. Dies muss in Berechnungen vollumfänglich einfließen, wenn man die CO2-Bilanz von Elektroautos mit denen von Verbrennern vergleicht.
  • Ebenso müssen die Voremissionen bewertet werden, was aber in der Regel nicht passiert. Alles, was bei der Förderung und dem Transport von Erdöl und im Raffinerieprozess an CO2 freigesetzt wird, blenden Vergleichsstudien bislang aus. Das muss natürlich analog auch für die fossilen Brennstoffe erfolgen, die bei der Stromproduktion eingesetzt werden.

Durch die Berücksichtigung dieser Faktoren kommen die Forscher aus Eindhoven zu einem deutlich anderen Ergebnis als bisherige Studien: Elektroautos haben über den Lebenszyklus eine bessere CO2– Bilanz von 50 bis zu 80 Prozent im Vergleich zu ähnlichen Pkw, die in ihren Motoren Diesel oder Benzin verbrennen.

Die schlimmsten „Annahmen“ in deutschen Studien

Während ein Verbrennermotor neben der CO2-Emission bei der Herstellung des Autos  jahrzehntelang Kohlendioxid durch die Verbrennung von Erdöl oder Erdgas erzeugt, wird beim Elektroauto einmalig Energie zur Herstellung des Akkus benötigt und dann nur noch deutlich weniger Energie für den Transport benötigt, bestenfalls erneuerbare.

Will man also Elektroautos schlechter darstellen, so dürfen die Autos nicht lange halten, haben einen maximal großen Akku und man unterstellt viel Kohleenergie bei der Akkuerzeugung.

Will man Verbrennerautos besser darstellen, dann verwendet man künstlich niedrige Laborverbräuche und vergleicht energiesparende, kompakte Dieselautos mit teuren Elektrosportlimousinen.

Der ADAC Österreich beauftragte 2018 eine Studie, die sich bei hier ordentlich bediente.  Der nachfolgende Artikel bietet hierzu Fakten:

Warum die Studie des ADAC ein Paradebeispiel für die Anti-Elektromobilitäts-Lobby ist

Hans-Werner Sinn veröffentlichte 2019 über das ifo-Institut eine Studie, die über die dpa ihren Weg in zahlreiche regionale und überregionale Zeitungen fand. Diesmal ging es etwas nach hinten los:

Experten entlarven Elektroauto-„Studie“ von Hans-Werner Sinn als unwissenschaftliche Meinungsmache

Auch vor 2019 gab es zahlreiche derartiger Studien oder tendenziöse Interpretationen in den Medien. Deren Entlarvung als fehlerhaft wurde jedoch nicht so publik.
Wer Zeit und Lust hat, ist eingeladen, diese in den Kommentaren zu ergänzen.

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